CP-FUSSBALL-EM 2014 – DAS TAGEBUCH (1/5)

CP-Fußball Europameisterschaft in Maia 20.07.–03.08.2014

Die internationale Geschichte Deutschlands im CP-Fußball beginnt

Dieses Motto hängt als großes Wandplakat vor dem Besprechungsraum im Braunschweiger Trainingsstützpunkt. Wie für uns gemacht!

Wir schreiben den 19.07.2014, ein ganz besonderer Tag für den deutschen Fußball, den deutschen CP-Fußball.

Das erste deutsche Nationalteam der CP-Geschichte hat sich an seinem Trainingsstützpunkt in Braunschweig versammelt und fiebert in gewohnter Umgebung der morgigen Abreise nach Portugal entgegen. Die erste Europameisterschaft wartet auf das Team von Bundestrainer Thomas Pfannkuch. Die Spannung ist greifbar, alle 14 Spieler und 5 Offiziellen sind hoch motiviert.

Am Abend gab es eine letzte Mannschaftsbesprechung im Hotel, in der noch einmal die große Bedeutung dieser Reise thematisiert wurde. Erfolgsdruck gibt es zunächst nur insofern, dass jeder das Ziel haben muss sein Bestes zu geben. Als Weltranglistennummer 23 wird Deutschland als Außenseiter ins Turnier gehen. Die Erwartungen liegen da beispielsweise beim ersten Gegner Russland, der aktuellen Nummer 1 der Welt, um ein vielfaches höher. Es wird für alle Beteiligten ein großes geschichtsträchtiges Abenteuer!

Die Mission Portugal beginnt

Endlich ist der Tag der Abreise gekommen. Die CP-Fußballnationalmannschaft verlässt  am 20.07.2014 ihren Trainingsstützpunkt  in Braunschweig.

(vorn v.l.n.r:) Tim Lescigewsky, Maik Puschmann, Sener Oguz, Kevin Wermeester, Co-Trainerin Tina Klose (2. Reihe v.l.n.r:) Conny Fritsch, Gordon Litinski; William Pushpinder, Bundestrainer Thomas Pfannkuch (3. Reihe v.l.n.r:) Jan Jeschke, Philipp Freudinger, Fabian Ollesch (hinten v.l.n.r:) Frederic Heinze, Manager Uwe Kienert, Benjamin Weiss, Rene Heinen, Jonas Becht, Physiotherapeut David Meiworm, Arzt Christian Haefele

Das 19-köpfige Team macht sich auf den Weg zur Europameisterschaft nach Portugal in den Austragungsort Maia. Der erste offizielle Auftritt einer deutschen CP-Fußballnationalmannschaft wird auch international mit Spannung erwartet. In einer Gruppe mit Russland (Weltranglisten 1), Nordirland (Weltranglisten 15) und Schottland (Weltranglisten 8) wird sich das junge deutsche Team messen müssen.

Am Nachmittag erreicht die Mannschaft ihr Hotel und macht sich mit den örtlichen Gegebenheiten in Maia vertraut. In den folgenden drei Tagen stehen die Klassifikationen der Sportler auf dem Programm. Parallel dazu wird täglich trainiert und im Fall der deutschen Mannschaft der Fokus auf den 24.07.14 gerichtet. An diesem Tage steht das erste deutsche Länderspiel auf dem Programm. Der Auftakt könnte allerdings gegen das Team aus Russland, kaum schwieriger sein. Aber dieser Herausforderung fiebern alle Beteiligten mit großer Anspannung entgegen. Das eigene Leistungsvermögen gegen die Nummer 1 der Welt messen zu können, ist schon etwas ganz Besonderes.

Für die gesundheitlich einwandfreie Verfassung sorgen im deutschen Team Dr. Christian Haefele und Physiotherapeut David Meiworm. Beide sind kurz vor der Europameisterschaft zum Team gestoßen und übernehmen nun einen ganz wesentlichen Aufgabenbereich.

Vorbereitung auf die erste große Aufgabe gegen Russland

Der Bundestrainer Thomas Pfannkuch arbeitet sehr intensiv mit seinem Team.

Heute, Montag der 21.07.2014 stehen zwei Trainingseinheiten auf dem Programm. Am Morgen eine erste Laufeinheit und am Nachmittag eine weitere Einheit auf dem Platz.

Alle sind mit großem Einsatz und absoluter Konzentration bei der Trainingsarbeit. Jeder einzelne Spieler saugt die tolle EM-Atmosphäre auf und kann das erste offizielle Länderspiel gegen Russland am Donnerstag um 16.00 Uhr portugiesischer Zeit kaum noch erwarten. Die Vorbereitung auf die Europameisterschaft war sicherlich nur bedingt möglich, da von der Gründung dieses Teams bis zum heutigen Tage gerade mal drei Vorbereitungslehrgänge am Trainingsstützpunkt in Braunschweig vergangen sind.

Der Torwart Rene Heinen hier bei der Trainingsarbeit mit Co-Trainerin Tina Klose.

Jonas Becht, Spieler des Teams beschreibt die aktuelle Situation wie folgt: "Heute haben wir den ersten vollständigen Tag in Maia verbracht. Es erfüllt jeden von uns mit Stolz, von sich sagen zu können, er sei Nationalspieler und darf für Deutschland auflaufen und wenn möglich erfolgreich sein. Genau dieses Ziel und diese gemeinsame Blickrichtung schweißt das Team zusammen.

Zwei Trainingseinheiten wurden heute absolviert, wobei die leistungsschwächeren Spieler gefördert und die leistungsstärkeren Spieler gefordert werden. Dieser Spagat zwischen Fördern und Fordern gelingt dem gesamten Betreuerteam sehr gut.

Diese Faktoren tragen alle dazu bei, dass diese Mannschaft von einem besonderen Geist beseelt ist. Alle stehen füreinander ein!"

(links:) Manager Uwe Kienert bei seinen täglichen Organisationsaufgaben. (rechts:) Arzt Christian Haefele und Physiotherapeut David Meiworm bei der Behandlung.

Die Klassifikationen der deutschen Spieler beginnen heute

(v.l.n.r.) Conny Fritsch, Gordon Litinski, Fabian Ollesch, Jan Jeschke

Eine positive Anspannung ist bei jedem Einzelnen im Team spürbar!
Heute (22.07.2014) standen wieder zwei Einheiten auf dem Programm. Das Laufen am Morgen und eine Trainingseinheit um 16.00 Uhr portugiesischer Zeit auf dem grünen Rasen.

Die Jungs arbeiten hart an sich, um ihr Land so gut wie derzeit eben machbar vertreten zu können. Sicherlich wird dieses Team noch Entwicklungszeit brauchen. Alles was bis zu diesem Zeitpunkt möglich war, wurde von den Verantwortlichen auch unternommen. Andere Nationen sind Deutschland hier um Meilen voraus. Jetzt gilt es aufzuholen und den CP-Fußball in Deutschland bekannt zu machen. Das aktuelle Team leistet hier sprichwörtlich missionarische Arbeit.

Letztlich haben unsere Nachbarn aus Holland und der Weltverband CPISRA mit Tom Langen an der Entwicklung in Deutschland entscheidend mitgewirkt. Im Weltmeisterland Deutschland muss es doch CP-Fußball geben, so die einhellige Meinung und Aufforderung.

Heute gegen 19.00 Uhr portugiesischer Zeit wurden die ersten vier deutschen Spieler international klassifiziert. Die Startklassen C5, C6, C7 und C8 werden dabei festgelegt.

Sie stehen für folgende Ausprägung der Behinderung (Spastik):
C5 – Beide Beine sind betroffen  
C6 – Ganzer Körper ist betroffen  
C7 – Eine Körperhälfte ist betroffen
C8 – Insgesamt sehr geringe Ausprägung
    
Ein Team besteht aus 7 Spielern, die wie folgt eingesetzt werden dürfen:
1 Spieler mit der Klassifikation 5 oder 6 (demnächst 2 Spieler)  
1 Spieler mit der Klassifikation 8  
5 Spieler mit der Klassifikation 7 (oder weitere Spieler aus den Klassen 5/6)